Nicolaiplatz

Der Nicolaiplatz befindet sich in der früheren Walkenrieder Vorstadt zwischen dem Doppeltor (Mühltor und Gittertor) der inneren Stadtmauer und dem Auetor der äußeren Stadtumfriedung. Alle diese Tore sind inzwischen verschwunden. Lediglich die Straßeneinengung "Zwischen den Toren" erinnert noch an die damaligen Gegebenheiten. Von dieser führt die Jüdenstraße zum Nicolaiplatz, hier siedelten v.a. im 16. Jahrhundert jüdische Familien. 

Auf dem Nicolaiplatz stand bis 1788 die Kapelle St. Nicolai, die nach der Reformation nur noch gelegentlich benutzt wurde und schließlich abgebrochen wurde. Mit der Kirche sind zwei bekannte Ellricher Heimatsagen verbunden. 

Heute befindet sich auf dem Nicolaiplatz ein Glockentürmchen. Es trägt die Glocken der alten Kirche, die noch vor wenigen Jahren jeden Abend geläutet wurden, wie es in der "Sage vom Acht-Uhr-Abendläuten in Ellrich“ erwähnt wird.

Die Nicolai-Vorstadt: zwischen Auetor (links) und Frauenbergskirche (rechts) die Kapelle St. Nicolai  (nach Merian)

Der Nicolaiplatz um 1900: Blick von der Töpferstraße in Richtung Jüdenstraße  (zeitgenössische Postkarte)

Das Glockentürmchen auf dem Nicolaiplatz heute  (Foto: Barsch)

Zwei Ellricher Heimatsagen:

Die "Sage vom Säuferkönig zu Ellrich" erzählt vom Grafen Ernst VII. von Hohenstein, Lohra und Klettenberg - dem letzten seines Geschlechts -, der nach einem Trinkgelage mit anderen Harzgrafen als einziger noch stehen konnte und sich in seinem Übermut auf sein Ross schwang und durch Ellrich bis in die Kapelle St. Nicolai hineinritt, in der die Gemeinde zur Andacht weilte. Doch wie durch ein Wunder verlor das Ross alle vier Hufeisen und sank samt Reiter vor dem Altar auf die Knie. Geräuschlos verließ der Graf die Kirche, die Hufeisen aber nagelte man zur Erinnerung an die Begebenheit über die Kirchenpforte . 

Die "Sage vom Acht-Uhr-Abendläuten in Ellrich“ berichtet ebenfalls von einem Grafen zu Klettenberg, dessen Tochter sich auf der Jagd in den Wäldern verirrte. Als sie schon der Verzweiflung nah war, hörte sie in der Ferne leisen Glockenklang. Sie ritt darauf zu, erreichte schließlich freies Feld und erkannte die Umrisse der Türme und Mauern von Ellrich. Ihr Vater spendete der Nicolai-Kirche, deren Glocken das Mädchen gehört hatte, aus Dankbarkeit Geld und bestimmte, dass von nun an jeden Abend um acht Uhr geläutet werden sollte.